Zirkuläre Wirtschaft

Die globale Wirtschaft von heute hat extreme Formen von Produktion und Konsum entwickelt. Wenn man beispielsweise durch Deutschland fährt, sieht man, dass Monokultur und Gewächshäuser die traditionelle Landwirtschaft völlig ersetzt und auch die Landschaft weitgehend verändert haben. In der Industrie haben Unternehmen in ihrem Kampf um Wettbewerbsvorteile und höhere Gewinne extreme Formen des Taylorismus entwickelt. Dabei werden Menschen, zumeist außerhalb von Europa, auf wenige eintönige Tätigkeiten reduziert, die sie in langen Arbeitsstunden gegen geringe Bezahlung ausführen müssen. So entstand eine Welt, in der sich gut bezahlte Arbeit und hoher Konsum im globalen Norden verdichten, während gleichzeitig gering bezahlte Arbeit und ein niedriges Konsumniveau hauptsächlich im globalen Süden anzutreffen sind. Das unterstreichen auch die Fakten der FAO: “In jedem Jahr verschwenden Konsumenten in den reichen Ländern fast so viel Lebensmittel (222 Millionen Tonnen) wie die gesamte Lebensmittelproduktion der Sub-Sahara-Länder in Afrika (230 Millionen Tonnen).”

Und wie werden die aufgrund der globalen Arbeitsteilung weltweit produzierten Güter von den Herstellern zu den Verbrauchern transportiert? Die Antwort findet sich in einem extremen logistischen Aufwand, der gewaltige Mengen fossiler Brennstoffe verbraucht - mit allen unerwünschten Nebeneffekten wie zum Beispiel hohen CO2-Emissionen. Warum eigentlich produzieren wir so viel, wo doch ein Drittel aller in der Welt produzierten Lebensmittel weggeworfen wird, und ein Kleidungsstück im reichen Europa im Durchschnitt nur sieben Mal getragen wird, bevor es im Müll landet?

Und noch etwas, über das man nachdenken sollte: Als Folge dieses verschwenderischen Lebensstils produziert der durchschnittliche Stadtbewohner 1,2 kg Müll pro Tag. Wenn alle versteckten externen Umweltkosten berücksichtigt würden, die während der Produktion und des Transports auftreten, dann würden nahezu alle Industriezweige in der Welt massive Verluste erzielen - so ein Artikel des Guardian. Wie können wir diese Verschwendung beenden?

Die aktuelle Art des Wirtschaftens, also die Gewinnung von Rohstoffen, die Produktion von Gütern und das anschließende Wegwerfen als Müll - manchmal auch als extraktives oder lineares Wirtschaftsmodell bezeichnet - funktioniert eigentlich nicht für die Unternehmen, wird mit Sicherheit nicht der Umwelt gerecht, und erfüllt nicht die Bedürfnisse der Menschen. Wir glauben, dass es an der Zeit ist für einen Paradigmenwechsel, in dem die Unternehmen einen positiven Wandel im Interesse der Gesellschaft und der Umwelt unterstützen.

Wir glauben, dass das Modell der zirkulären Wirtschaft dafür den richtigen Rahmen bietet. Die Ellen MacArthur Foundation hat diesen Gedanken sehr gut in Worte gefasst: “Im Gegensatz zum extraktiven linearen Wirtschaftsmodell ist zirkuläre Wirtschaft von Grund aus nachhaltig und regenerativ.”

Was genau verstehen wir unter zirkulärer Wirtschaft?

Das Modell der zirkulären Wirtschaft wird inspiriert durch das Ökosystem, die Widerstandsfähigkeit und die Langlebigkeit der Natur. In der Natur gibt es keinen Abfall. Und genauso ist zirkuläre Wirtschaft ein System, in dem Materialien nicht weggeworfen werden. Im Gegensatz, sie verbleiben in geschlossenen Kreisläufen. Produkte werden so konstruiert und hergestellt, dass sie nach dem Gebrauch weiterverwendet, nachgerüstet oder für andere Zwecke wiederverwendet werden können.

Daraus folgt, dass wir über unsere Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle neu nachdenken müssen. Auf der Ebene der Rohstoffe heißt das, dass man mit wiederverwertbaren Materialien arbeitet. Reste und so genannter “Abfall“ werden zu Rohstoffen für den nächsten Produktionszyklus. Das Ziel ist es, keinen Müll mehr zu erzeugen. Wir vom CRCLR Haus sind dabei, solche Kreislaufmodelle zu entwickeln, zu verbessern und zu implementieren. Stell dir vor, dass Kinder in 2050 in ihren Geschichtsbüchern das Wort Müll lesen und ihre Lehrerin fragen “Was bedeutet dieses Wort?”

Um dies zu erreichen, brauchen wir die Unterstützung aller in unserer Gesellschaft. Das kann nur geschehen, wenn die Menschen mehr Verantwortung für das Wohl von Gesellschaft und Umwelt übernehmen. Deshalb ist eine Änderung des Bewusstseins nötig, um dem Ziel der zirkulären Wirtschaft näher zu kommen.

Das Modell der zirkulären Wirtschaft bietet auch einen besseren Rahmen für unsere Zusammenarbeit. Es versetzt uns in die Lage, gemeinsam Dinge zu entwerfen, zu planen, herzustellen und zu besitzen. Dabei müssen wir schnell handeln, denn wir haben nicht mehr viel Zeit. Die Lösungen für die aktuellen Probleme müssen systemisch und anpassbar an lokale Gegebenheiten sein. Open Source ist daher ein wichtiger Faktor, um die Ideen der zirkulären Wirtschaft rasch zu verbreiten.

Wir wollen lokale und globale Communities einladen, bei diesem Prozess mitzumachen und den Wandel zu einer positiveren Zukunft voranzutreiben. Jeremy Rifkin hat diese Idee gut zusammengefasst: “Dies könnte eine zweite Renaissance sein. Wir stehen an einem Wendepunkt, der einen enormen Fortschritt für die Menschheit bedeuten könnte.